Biokraftstoff - Nachhaltigkeit garantiert.


Wissenschaftler: Nachfrage nach Biokraftstoffen nicht ursächlich für globalen Hunger

Berlin,

Die Herstellung von Biodiesel und Bioethanol hat mittel- bis langfristig nur einen geringen Einfluss auf die Weltagrarpreise. Die Auswirkungen werden regelmäßig überschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt der Giessener Agrarökonom Prof. Michael Schmitz in seiner vor Kurzem veröffentlichten Studie. „Angesichts wissenschaftlicher Unsicherheiten ist Vorsicht geboten, wenn man Biodiesel und Bioethanol als Sündenbock für steigende Weltagrarpreise abstempelt – dies geht an der Realität vorbei“, sagte Schmitz. Zudem sei die einfache Formel ,Hunger entsteht durch hohe Preise auf den Weltagrarmärkten’ falsch. Vielfach sind die Weltmärkte abgekoppelt von den lokalen Handelsplätzen in Entwicklungsländern, auf denen sich die Menschen mit Lebensmitteln eindecken. Preisschwankungen auf den Weltmärkten führen daher nicht automatisch zu Schwankungen der Preise im Inland.

„Es ist lebensgefährlich für die Menschen in Entwicklungsländern, wenn in der öffentlichen Diskussion um Hunger in den Industrieländern platte Schuldzuweisungen die Debatte bestimmen. Damit drückt man sich darum, die wahren Probleme anzugehen“, sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) in einer Stellungnahme zu einer Studie der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam. „Wir fordern mehr Investitionen in die Landwirtschaft, eine Umverteilung von Entwicklungshilfe in den ländlichen Raum und Maßnahmen zur Armutsbekämpfung. Entwicklungsländer müssen die von ihnen benötigten Nahrungsmittel selbst produzieren und die Bauern von ihrer Arbeit leben können.“

Die Diskussion um die Gründe für Hunger habe in den vergangenen Jahren eine merkwürdige Entwicklung genommen, sagte Schmitz. Bis vor wenigen Jahren hätten namhafte internationale Institutionen wie die Welternährungsorganisation (FAO) erklärt, dass niedrige Weltagrarpreise maßgeblich zu Hunger und Armut beitragen. Dieselben Institutionen geben seit der Hungerkrise in den Jahren 2007/2008 hohe Preise als Grund für Mangelernährung und Hunger an. Schmitz wies darauf hin, dass sich die ländliche Bevölkerung in vielen armen Ländern nicht von international handelbaren Gütern ernähren. „Sie greifen auf im Lande hergestellte, nicht-handelbare Nahrungsmittel zurück, wie Cassava, Sorghum und Hirse. Deshalb sind sie von den Vorgängen am Weltmarkt kaum betroffen.“

„Der Klimawandel ist ein weiterer Grund für mehr Hunger auf der Welt. Er wird durch den vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen – auch im Verkehrsbereich – hervorgerufen. Zusammen mit Effizienzmaßnahmen sind Biokraftstoffe eine der wenigen Möglichkeiten, den Treibhausgasausstoß im Straßenverkehr zu verringern“, sagte Elmar Baumann.

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