Biokraftstoff - Nachhaltigkeit garantiert.


EU-Kommission gefährdet Versorgung mit Pharmaglycerin

Berlin,

Bundesminister Gröhe sagt bei Werksbesuch in Marl Unterstützung zu

Die Versorgung der deutschen Industrie mit Pharmaglycerin steht vor einer ungewissen Zukunft. Pharmaglycerin wird als Kuppelprodukt bei der Herstellung von Biodiesel aus Rapsöl erzeugt. Nach 2020 sehen Pläne der EU-Kommission das Ende der Biodieselproduktion aus Raps vor. Dies wird sich direkt auf die Versorgung mit Pharmaglycerin auswirken, denn ein Großteil des vielseitigen Stoffes entstammt den Biodieselwerken.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, zugleich CDU-Spitzenkandidat der CDU in Nordrhein-Westfalen, und Rita Stockhofe, Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Recklinghausen II, informierten sich heute im Werk der Natural Energy West (NEW) GmbH im Chemiepark Marl über die Zusammenhänge der Produktion von Biodiesel aus Raps und seinem Koppelprodukt Pharmaglycerin.

Der rückläufige Biodieselabsatz der vergangenen Jahre hat die Handelspreise für Rohglycerin, das in Marl zu Pharmaglycerin aufbereitet wird, bereits deutlich anziehen lassen; dies ist ein klarer Hinweis für eine knappe Versorgung der Märkte. Für die Zukunft kündigt sich sogar eine Versorgungslücke bei Pharmaglycerin an, denn aktuelle Pläne der EU-Kommission sehen vor, den Einsatz von Biodiesel aus Raps nach 2020 zu beenden.

 „Unsere Produktion von Biodiesel und Pharmaglycerin auf Basis von Raps ist von den Plänen der EU-Kommission unmittelbar betroffen. Wenn dieser Richtlinienentwurf nicht grundlegend geändert wird, ist der Standort in Marl nach 2020 gefährdet. Das kann letztlich das Ende der Biodieselproduktion bedeuten, und ohne Biodiesel wird es auch kein Glycerin mehr geben“, erläuterte NEW-Geschäftsführer Detlef Volz.

Glycerin aus der Biodieselproduktion hat in den vergangenen Jahren fossiles Glycerin vollkommen verdrängt. Der vielseitig verwendbare Stoff wird heute in Kosmetika, Arzneimitteln, in Lebensmitteln und in der chemischen Industrie eingesetzt.

Die Kombination von Biodiesel- und Glycerinproduktion ist ein Musterbeispiel der Bioökonomie. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe sagte bei seinem Besuch: „Deutschland ist heute der größte Hersteller von hochwertigem Pharmaglycerin in Europa. Es wäre aberwitzig, diese Spitzenposition aufzugeben. Wer die Vernetzung der Bioökonomie versteht und fossile Rohstoffe nach und nach in allen Teilen der Wirtschaft ersetzen will, kann auf die kombinierte Produktion von Biokraftstoff und Pharmaglycerin in Deutschland überhaupt nicht verzichten.“

Hintergrund

Der Richtlinienentwurf der EU-Kommission „Recast of the Renewable Energy Directive“ (RED II) sieht vor, dass Biodiesel aus Pflanzenöl – heutzutage der wichtigste regenerative Kraftstoff – keine Anrechnung mehr auf die vorgeschriebenen Mindestanteile an regenerativen Kraftstoffen im Straßenverkehr erhält. Stattdessen sollen ausschließlich Biokraftstoffe aus Rest- und Abfallstoffen gefördert werden. Damit droht ein massiver Absatz- und Produktionsrückgang bei Biodiesel aus Pflanzenölen wie beispielsweise Rapsöl, da Biokraftstoffe aufgrund ihrer im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen höheren Kosten nur aufgrund verbindlicher Vorgaben eingesetzt werden.

Bis zum Jahr 2020 muss Deutschland einen Anteil an Erneuerbaren Energien im Verkehr von 10 Prozent erreichen. Nach den Plänen der EU-Kommission soll dieser Anteil danach wieder abgesenkt werden, und zwar auf nur noch 6,8 Prozent bis zum Jahr 2030. Diese Absenkung ist maßgeblich im Ausschluss von Biodiesel aus Pflanzenöl begründet.

Bei der Herstellung von Biodiesel fällt als Kuppelprodukt immer Rohglycerin an. Pro Tonne Biodiesel entstehen etwa 100 kg Rohglycerin, das dann bis zur Pharma-Qualität mit einem Reinheitsgrad von mindestens 99,5 Prozent aufbereitet wird. In Deutschland werden pro Jahr etwa 400.000 Tonnen Pharmaglycerin produziert. Der größte Teil, knapp zwei Drittel, des verarbeiteten Rohglycerins stammt von den Biodieselherstellern.

Zum Download:

Infopaper: Biodiesel - Biokraftstoff mit wertvollem Kuppelprodukt Glycerin

Bildmaterial zum Besuch von Bundesminister Herrmann Gröhe und Rita Stockhofe, MdB bei der NEW in Marl

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